Knallharte Arbeitsmarktpolitik made in China

Europäer und US-Amerikaner will Premier Li weniger im Land haben. Dafür vergibt er jetzt Green-Cards für Hochqualifizierte und Experten >>>

Chinas Regierung weiss, wie man den Kurs wechselt: Kein Wunder, denn politische Diskussionen und Konsenzfindung zwischen Politik und Gesellschaft gibt es zu Themen wie Zuwanderung oder Arbeitsmarktpolitik nicht. So verwundert es nicht, dass die Volksrepublik die Arbeit von z.B. Deutschen in China eher reduzieren will und auf der anderen Seite selbst die Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer forciert. Mit einem Ausländeranteil von 0,06% ist im Reich der Mitte wirklich Luft nach oben.

Blick auf das ehemalige Tsingtao

Foto: Der Bau-Boom geht langsam dem Ende zu. China setzt nun auch auf digitale Wirtschaft und Binnenkonjunktur

Die Gründe liegen auf der Hand: Entsendungen zu Tochterunternehmen oder Verkaufsbüros, Montage- und Servicearbeiten an Anlagen oder auf Baustellen sollen lieber von einheimischen Personal erledigt werden. US-Unternehmen fühlen sich schon länger unwohl in China und ein Viertel hat die Volksrepublik auch schon wieder verlassen. Dazu kommen behördliche Gängelung, Spionage, Internetzensur. Die Stimmung bei Westlern ist schlecht.

Konnte man früher einen Mitarbeiter mit dem Geschäftreisevisum M entsenden oder in China arbeiten lassen, ist es jetzt nur noch mit dem Arbeitsvisum Z möglich. Da hängt die Latte aber höher: Dafür braucht man eine offizielle Einladung der chinesischen Regierung und eine Erlaubnis des Ministeriums für Arbeit. Da hat der Arbeitgeber oder Auftraggeber in China einiges zu tun, denn er muss diese Dokumente besorgen. Es liegt auf der Hand, dass hier Einfluss genommen werden soll und das Regierung und Arbeitsbehörden direkte Kontrolle ausüben. Die Ausländer, die gleichzeitig Konkurrenten auf dem Weltmarkt sind, sollen es schwerer haben.

Stahlerzeugung in China ist eine schmutzige Sache

Foto: Früher setzte die Volksrepublik auf Schlote und Schwerindustrie, um Infrastruktur zu schaffen. Umweltschutz war kein Thema

Andere Gruppen haben es dafür jetzt leichter: In China fehlen Fachkräfte für den Umbau der Wirtschaft von der günstigen Produktion von Massenware und Betongold hin zu High-Tech und der Entwicklung des heimischen Markts. 20 Prozent der Chinesen bestellen schon Waren und Dienstleistungen im Internet. Tendenz steigend. Und China will weiter wachsen: Die KP muss die Binnenkonjunktur angekurbeln und man muss mit anderen Produzenten technologisch gleichziehen. Bei Siliziumzellen für die Photovoltaik haben die Chinesen schon alle abgehängt. Jetzt streben Sie vergleichbares bei Zukunfstechnologien wie Elektrofahrzeugen und Batterietechnologie an. Wenn in Deutschland eine Ende des Verbrenners zum Jahre 2030 disktutiert wird, dann wird China die 14 Jahre zu nutzen wissen.

Das bedingt allerdings auch, die richtigen Experten und Spezialisten nach China zu locken. N24 berichte, dass Premier Li schon im September 2014 seine Behörden aufforderte, „nach internationalen Gepflogenheiten Greencards schneller und einfacher zu vergeben“. Ja, in China entsteht eine wahre Start-up-Euphorie. Man kann sich ausmalen, was es bedeutet, wenn die in einigen Jahren größte Volkswirtschaft der Welt, die dann voraussichtlich immer noch schneller wächst als die USA oder Europa, zum Magneten für qualifizierte Fachkräfte wird.

Pudong Finanzdistrikt in Shanghai, China im Abendlicht

Foto: Der Pudong Finanzdistrikt in Shanghai ist ein gutes Beispiel für das neue, saubere China, das es mit dem Westen aufnehmen kann. Auch in der Frage des Anwerbens von Fachkräften…

Jedenfalls sollte die so dringend auf Innovation und High Tech angewiesene deutsche Wirtschaft ihre Vorbehalte gegen ausländische Spezialisten und Fachleute schleunigst aufgeben, sonst fischen die Chinesen das Beste vom Markt. Das deutsche Aufenthalts- und Beschäfigungsrecht macht es wirklich einfach. Und mit professioneller Unterstützung von Relocation-Dienstleistern wie PROGEDO kann auch gar nichts schiefgehen (das gilt auch für eine Entsendung nach China)!