Auf Wunsch gibt es sogar Tips für den Gardinenkauf
"Relocation"-Agenturen helfen Menschen beim Umzug
Ein Umzug kostet Geld, Zeit und Nerven. Mit Karin Radicke kostet ein
Umzug zwar noch mehr Geld, aber dafür deutlich weniger Zeit und Nerven.
Denn Karin Radicke ist professionelle Umzugshelferin, Mehr noch:
Eigentlich ist sie Lebensberaterin für Menschen, die umziehen müssen.
Wer die Dienste ihrer "Relocation"-Agentur in Anspruch nimmt, die sie
unter dem Namen Progedo von einem Büro in Schwalbach aus anbietet,
braucht sich um nichts mehr zu kümmern.
Radickes Umzugshilfe beschränkt sich längst nicht darauf, denjenigen
Leuten, die einen Ortswechsel ins Rhein-Main-Gebiet planen, bei der
Wohnungssuche unter die Arme zu greifen. Jener schwedische Informatiker
etwa, den sein Unternehmen von Los Angeles nach Frankfurt versetzte,
hatte ziemlich genaue Vorstellungen von seiner neuen Bleibe: zwei große
Zimmer, weißgeflieste Küche, Parkettfußboden und entweder an der Berger
Straße oder mitten in Sachsenhausen gelegen. Zwei Wochen später hatte
die "Relocaterin" das passende Objekt gefunden - eine große
Zwei-Zimmer-Maisonettewohnung mit weißgefliester Küche, Parkett und
einen Steinwurf vom Schweizer Platz entfernt. Wäre der Schwede nicht
mit seinen eigenen Möbeln an den Main gekommen, hätte Radicke ihm auch
die besorgt. Wäre sogar mit ihm einkaufen gegangen, um die passenden
Gardinen zu finden. Und hätte ihm einen Maler organisiert, falls er
statt Rauhfaser lieber bunte Strukturtapete an den Wänden gesehen hätte.
Aber der Informatiker war erstens Single und zweitens von der
unkomplizierten Sorte. "Schwieriger wird es, wenn ganze Familien
umziehen", sagt Radicke. Denn mit der Anzahl der Familienmitglieder
steige auch die Anzahl der Kriterien: Die Ehefrau wolle meist im Grünen
wohnen, der Gatte in der Nähe seines neuen Arbeitsplatzes, und eine
internationale Schule für die Kinder solle möglichst auch in der Nähe
liegen. Wenn ein solches "Wohnprofil" erstellt ist, durchforstet die
Umzugshelferin den Immobilienmarkt vor Ort, schaut sich passende
Wohnungen oder Häuser an und macht Videoaufnahmen von den besten
Objekten. Den Film schickt sie ihren Kunden zu.
Meist sind es internationale Unternehmen, die für ihre Mitarbeiter auf
die Dienste von PROGEDO zurückgreifen. Denn wenn einem Manager schon
internati6nale Mobilität abverlangt wird, dann sollen ihm wenigstens
die Widrigkeiten des Umzugs abgenommen werden. Nicht nur die
Wohnungssuche und die Organisation eines Speditionsunternehmens bleiben
dem Relocator-Kunden erspart. Karin Radicke und ihre fünf Mitarbeiter
übernehmen auch Behördengänge, kümmern sich um die Formalitäten bei der
Überführung des Autos, melden die Kinder in der neuen Schule an und
organisieren auf Wunsch sogar eine Einzugsparty in der neuen Wohnung.
Die Preise für ein solches Umzugs-Paket liegen, je nach Umfang der
Dienstleistungen, um die 5000 Mark.
"Oft entwickelt sich ein recht persönliches Verhältnis zwischen uns und
unseren Kunden", sagt Radicke, die vor ihrem Wechsel ins
Relocator-Geschäft in der Personalabteilung eines großen
Lebensmittelkonzerns tätig war. Ein Relocator sei nämlich als erster
Ansprechpartner seiner Klienten in einem für diese meist fremden
Kulturkreis wichtige Vertrauensperson, die auch nach dem Umzug noch in
allen Lebenslagen um Rat gefragt werde: "Mal will jemand wissen. wo man
abends gut weggehen kann, andere sind auf der Suche nach einem guten
Zahnarzt".
Allerdings kennt Radickes Beruf auch Grenzen. Ein junger Amerikaner der
vor kurzem nach Frankfurt versetzt worden war, fragte sie, ob sie ihm
nicht auch bei der Suche nach einer Freundin behilflich sein könne.
Anlass für dieses kleine Missverständnis war ein "Partner-Paket", das
im Katalog von PROGEDO aufgeführt wird. Damit ist freilich keine
Eheanbahnung gemeint, sondern nur die Hilfe bei der Suche nach einem
Job für den berufstätigen Ehepartner des Relocation-Kunden.
ALEXANDER MARGUIER
[ Quelle Frankfurter Rundschau, 2000 ]